Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (natürlich CDU) ist mal wieder ein Politiker, der Dieter Nuhrs Rat besser gefolgt wäre: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten. Beispiele gefällig? Ok, ich zitiere mal aus dem SpOn-Artikel vom 19. Juni:
Er selbst sei zwar “kein Experte”, man habe ihm jedoch Fälle vorgelegt, in denen Spiele durch minimale Modifikationen von “keine Kennzeichnung” auf verkaufsfähige Einstufungen heruntergerutscht seien. Konkret nennt er “Hitman: Contracts”, ein Spiel, in dem der Spieler einen Berufskiller verkörpert. Das Spiel wurde von der USK mit der Einstufung “keine Jugendfreigabe” versehen.
Ah ja. Und was hat das jetzt mit “Jugendschutz” zu tun? Die Einstufung “keine Jugendfreigabe” heißt doch, dass man das Spiel nur an Erwachsene verkaufen darf – was also spricht gegen diese USK-Entscheidung? Genau, rein gar nichts!
Ich bin froh, dass es die Einstufung “keine Jugendfreigabe” gibt und man sich Spiele für Erwachsene nicht mehr wie Hehlerware an der Kasse oder hinter verschlossenen Türen abholen muß. Aber wie gesagt: Jugendschutz bei Bürgern über 18?
Die Ansicht, dass die USK ihre Arbeit nicht tut, untermauert Schünemann quantitativ: Seiner Ansicht nach stuft das Kontrollgremium einfach nicht genügend Spiele als nicht für Jugendliche geeignet ein und macht sich damit unglaubwürdig. Die Selbstkontroll-Organisation habe bislang 3500 Spiele geprüft und dabei nur die Verbreitung von 23 untersagt.
Äh was? Es soll ja wohl nicht das Ziel der USK sein, jugendgefährdende Spiele sofort vom Markt zu verbannen, denn es gibt genug Erwachsene, die auf etwas “härtere” Kost stehen. An dieser Stelle muß ich jetzt einfach Chris’ (d-frag.de) “Brief” an den Innenminister zitieren:
Sehr geehrter Herr Innenminister Schünemann,
ich habe meine Zweifel, ob Polizei und Justiz unseres Landes noch ordnungsgemäß funktionieren. Denn, wissen Sie, laut Strafvollzugsstatistik hatten 2004 von den knapp 60.000 in den Gefängnissen unseres Landes inhaftierten Erwachsenen nicht einmal 2.000 eine lebenslange Haftstrafe abzusitzen. Das ist doch viel zu wenig! Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass sich unser Rechtssystem auf diese Weise unglaubwürdig macht. Vielleicht sollten Sie, als für die innere Sicherheit zuständiger Minister, gemeinsam mit dem Herrn Justizminister erwirken, dass in Zukunft mehr Menschen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt werden.
Mit freundlichen Grüßen, Chris
Besser kann man so eine hirnrissige Aussage eines unwissenden, sich wichtig machenden Innenministers nicht kontern. Die sollen sich lieber mal auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren und nicht zu den Themen, bei denen sie sowas von Nullen sind, noch ihre Scheiße dazugeben. Aber was reg ich mich eigentlich über so nen blöden Nixwisser auf?
Ich frag mich nur, wann die Generation der Videospieler endlich in der Politik ankommt und damit solche hirntechnischen Entgleisungen der Vergangenheit angehören …



